- Etappe 1 der Pascoebloggertour 2018
Knapp 400km trennen das pulsierende, überfüllte Köln von einer anderen Welt. Bereits auf der Autofahrt wird der Herzschlag ruhiger, die stetige Anspannung fällt langsam, aber spürbar von einem ab. Die Landschaft gleicht oftmals einer Urlaubskulisse. Vorbei an Sehenswürdigkeiten, Wäldern, Feldern.
Der Weg über Landstraßen, der bewusst gewählt wurde, führt quer durch den Nationalpark Harz. Entlang durch Dörfer, die wie kleine Soldaten am Fuße des Brockens wachsam die Zeit überdauern. Eines davon ist Wernigerode.
Hoch über der mittelalterlichen Altstadt trohnt es, als könne ihm niemand etwas anhaben. Das Schloß Wenigerode. Anfang des 12. Jahrhunderts als Burg erbaut hielt es dem Wandel der damaligen Zeit statt und wurde im Laufe der Jahrhunderte zum Schloß umgebaut. Umgeben von verschiedenen Schloßgärten (Lustgarten, Tiergarten, Terrassengärten) ist es seit 1999 national wertvolles Kulturdenkmal und Bestandteil des sachsen-anhaltischen Landesprojektes Gartenträume®.
Vom Schloß aus erhält man einen wunderschönen Ausblick über die gesamte Stadt Wernigerode – an guten Tagen erkennt man sogar die Spitze des Brockens. Wer den doch recht steilen, ca. 1.5km langen Aufstieg zum Schloß nicht per pedes wagen möchte, nimmt die kleine Schloßbahn. Diese bietet verschiedene Einstiegsstellen und fungiert zugleich als kleine Stadtrundfahrt.
Ranger Robby und die Luchse
Die Altstadt Wernigerodes zeichnet sich durch ihre Fachwerkhäuser aus, darunter das mittelalterliche Rathaus und das “Schiefe Haus”. Es muß also nicht immer Pisa sein! Cafés, Restaurants oder einfach nur ein Schlendern durch die romantischen Gassen – hier vergeht die Zeit wie im Flug. Direkt ab Wernigerode hat man die Möglichkeit eine Zeitreise auf den Brocken, den höchsten Berg Mitteldeutschlands, mit der dampflokbetriebene Brockenbahn zu unternehmen. Für Klein und Groß ein Abenteuer und landschaftlich ein Genuß. Die knapp zweistündige Fahrt hinauf zur Spitze des Brockens vergeht viel zu schnell – so abwechslungsreich ist das Landschaftsbild. Wer ein sehr fitter Wanderer ist steigt am Bahnhof Schierke aus und läuft zu Fuß. Aber Achtung: es warten knapp 500 Meter Höhenunterschied auf Sie! Angekommen auf der Spitze des Brockens wartet der 52 jährige Robby Meißner auf mich. Er ist Ranger im Nationalpark Harz mit Leib und Seele. Stolz verkündet er, daß am 01. August seine „Silberhochzeit“ mit seinem Job bevorsteht. 25 Jahre täglich in der Natur unterwegs, bei Wind, Regen, Schnee und Sonne. Immer mit Herzblut. Dabei besteht seine Arbeit nicht nur aus Führungen für die Gäste. Kartierungsarbeiten für verschiedene Projekte wie zum Beispiel dem Luchsprojekt, stehen ebenso auf dem Programm. Zwischen 2000 bis 2006 wurden insgesamt 24 Luchse angesiedelt. Ihr Bestand hat sich bis heute auf 90 Tiere erhöht. Eine gelungene Integration eines einst hier vernichteten Tieres. Bei einer mehrstündigen Führung rund um den Brocken und durch den Brockengarten erfahre ich vieles von Ranger Robby. Heute zu Sachsen—Anhalt gehörend war der Brocken früher DDR Gebiet. Seit 1961 Sperrgebiet für die Zivilbevölkerung nutzten die Russen die Spitze zur Luftraumüberwachung nach Westen hin. Die StaSi ihrerseits wertete in ihrem Gebäude, welches auch jetzt noch dort steht, Funkquellen aus. Von einer Mauer umgeben war alles abgesichert. Nach dem Ende der DDR und dem öffentlichem Zugang zum Brocken riss man die Mauer dort ab. Der entstandene Weg ist heute der Rundweg für Wanderer.
Die Geister der Kräuterhexen
Ich befinde mich in 1141m Höhe und laufe in meinen T-Shirt herum. „Glückskind“ nennt man mich, liegt der Brocken doch 300 Tage im Jahr leicht im Nebel, an 120 davon komplett. Der blaue Himmel mit strahlendem Sonnenschein gewährt mir einen Blick in das weite Umland: Spärlichere Wälder im oberen Bereich, die von dichteren weiter unten übernommen werden. Eingebettet in Hügel, Felsen und Granit. Zwei Meter Niederschlag, im Winter anderthalb Meter Schnee und hohe Windstärken bestätigen: ich bin heute wirklich ein Glückskind. Dieses Klima trägt jedoch dazu bei, dass im Harz die natürliche Waldgrenze schon ab 1100 Metern erreicht ist, während diese in den Alpen erst ab 1800 – 2000 Metern beginnt. Die Wachstumszeit ist auf Juni bis September begrenzt. Wie gut, dass wir Juli haben! Wir laufen vorbei an der Teufelskanzel und dem Hexenaltar, zwei riesigen Granitblöcken. Hier ließ Goethe sich einst zu seiner Walpurgisszene in Faust inspirieren. Ich schließe meine Augen, stelle mir Dämmerung und Nebel vor und kann den alten Herrn gut verstehen. Ob Goethe auch dem Brockengespenst begegnet ist? Ich frage Robby nach den vielen toten Bäumen, die auf dem Weg auf die Spitze zu sehen sind. „Das Motto des Nationalparks lautet Natur Natur sein lassen” . Wir unternehmen nichts gegen das Waldsterben durch Ozon oder den Borkenkäfer.“ , bekomme ich zur Antwort. Ob ihm das schwer falle? „Absolut. Es tut schon weh, den Wald sterben zu sehen. Aber es ist der Kreislauf. Die alten Bäume sterben, die neuen können besser wachsen.“
Wir kommen am Brockengarten an, dessen Existenz mich besonders interessiert. Ein botanischer Garten in 1100 Metern Höhe? Einzigartig, finde ich! Diente der Garten seit seiner Gründung 1890 durch Professor Peter von der Universität Göttingen zunächst der wissenschaftlichen Untersuchung von Brocken- und Alpenpflanzen ist er seit 1990 Teil des Nationalparks. Somit haben sich auch seine Aufgaben gewandelt. Die Besucher können sich an Gebirgspflanzen aller Kontinente (zur Zeit ca. 1500 Arten) erfreuen, darunter auch viele Raritäten. Zudem werden im Garten die seltenen,endemischen Brockenarten vermehrt und im Rahmen eines Naturschutzprogrammes auf der Brockenkuppe verbreitet. Ich stöbere durch die vielen Beete, an denen jede Pflanze mit einem Schild gekennzeichnet ist. Verschiedenste Arten von Alpenveilchen, Baldrian, gelben Enzian, goldgelbe Alpenwurzel und Sonnentau sind zu sehen. Wieso stechen mir diese Pflanzen so ins Auge? Ich habe sie in meiner „Hausapotheke“ von Pascoe dabei. Naturmedizin hat für mich mit einer schweren Autoimmunkrankheit der Rheumafamilie einen hohen Stellenwert. Die Heilkraft der Natur ist unumstritten. Wenn Sie mehr dazu erfahren möchten bestellen Sie sich gern kostenlos den Katalog “Hausapotheke” und lernen mehr über die Pflanzen und ihre Wirkung.
Das Wandern ist der Wünsches Lust
Bei meinem Aufbruch zur Brockenbahn, die sich dampfend den Berg zum Bahnhof hochquält, fragt mich Robby, was ich vorhabe. Mit der Bahn zum Bahnhof Schierke fahren und dort zu den Mäuse- und Schnarcherklippen wandern. Gute Idee, findet er, wenn wir nicht gerade auf der Brockenspitze wären. Seiner Meinung nach gehört die Wanderung zurück nach Schierke unbedingt zum Programm. „Das schaffst du! Du kannst sonst die Straße laufen, ist nicht so schön, aber kürzer.“ Also laufe ich los. Zweifel plagen mich, ob ich das wirklich schaffe. Der Abstieg ist zu Beginn steil und schreitet zügig voran. Nach knapp 1.5 km bin ich an einer Kreuzung. Straße – 5km geradeaus. Wanderweg 10km rechts entlang. Bisher war es easy, also mutig einen Haken nach rechts geschlagen. Was mich erwartet ist unbeschreiblich. Unbeschreiblich schön und still.
Granitfelsen, aus deren Lücken pinker Fingerhut wächst, gesäumt von Nadelbäumen, auf deren Blätterteppich es sich wie auf Wolken läuft. Bienen surren, Grillen zirpen. Neben dem natürlichem Wanderweg plätschert leise ein kleiner Bach, der seinen Urspung in einem Wasserfall unterhalb der Felsen findet. Bei meinem Abstieg erkenne ich deutlich, wie sich die Natur verändert, je tiefer ich komme. Es wird dichter, triebiger. Dennoch höre ich nichts außer den Geräuschen der Natur. An einem großen, flachen Granitfelsen halte ich inne, entscheide mich zur kurzen Rast. Ich setze mich, ziehe meine Wanderstiefel aus, tauche meine Füße in das eiskalte Gebirgswasser. Die Frische belebt meinen Körper und meinen Geist, der selten soviel wahrgenommen hat wie hier. Ich schließe meine Augen. Atme. Spüre die klare Luft. Spüre den Wald. Spüre die Natur, das Leben. Ich spüre mich. Ich genieße dieses intensive Lebensgefühl noch eine Weile, bevor ich mich an den weiteren Abstieg begebe. Der Weg ist weiter als geplant, denn ich befinde mich am anderen Ende von Schierke, als ich endlich ankomme. Weitere drei Kilometer. Aber ich habe es geschafft! Alle Zweifel sind einem reinen Glücksgefühl gewichen. Auf meiner Rückfahrt nach Wernigerode lasse ich den Tag und das Erlebte Revue passieren. Erschöpft falle ich in mein Bett mit dem Wissen, daß mich am nächsten Morgen ein umwerfender Muskelkater in den Beinen erwarten wird, aber auch die Gewissheit, dass ich wiederkomme. Wenn dieser Weg geklappt hat, dann klappen auch weitere.
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