Curacao: Hausriff de Luxe – wo Baitballs die Sicht vernebeln

Ein Bild wie aus einer Postkartenidylle: Die leichte Brise lässt die Palmen vor türkisfarbenem Wasser wiegen, weiter draußen zeugt ein tiefes Blau von der nahgelegenen Riffkante. Kinder tollen ausgelassen am kleinen Sandstrand, während die Erwachsenen mit einem Cocktail in der Hand auf den herannahenden Sonnenuntergang warten. Der ist auf der ganzen Welt schön – aber nirgends schöner als hier in Westpunt.

Von Sarah Wünsche

Das Metalltor quietscht, als die drei Taucher den Trockenraum betreten. Ganze zehn Schritte mussten sie von ihrem luxuriösen Apartment zurücklegen, um ihn zu erreichen. Zahlreiche frisch gefüllte DTGs warten hier auf ihren Einsatz. Mit dabei ist die elfjährige Emma. Freudig aufgeregt steigt sie in ihren Neoprenanzug. Unter den Blicken der Erwachsenen schraubt sie ihr Tauchgerät fachmännisch zusammen. Wie lang sie schon taucht? „Ich habe meinen Tauchschein letzte Woche hier auf Curacao beendet“, erfährt man. „Das ist total cool hier, die ganzen Schildkröten und die Seepferdchen! Ich habe sie gesehen, meine Mama nicht“, strahlt sie. Bei dem Gespräch mit den Eltern – beide Tauchlehrer – wird schnell klar, wieso die Entscheidung auf Curacao fiel. „Wir haben die Theorie und die Pooleinheiten bereits in Deutschland erledigt. Curacao ist einfach ideal für jeden Taucher, auch während der Ausbildung“, erklärt Emmas Mutter.

Die AllWest Appartments vom Wasser aus. Ein eigenes Hausriff macht den Urlaub perfekt. Photocredit Tilo Kühnast

Nur wenige Treppenstufen trennen den gut gesicherten Trockenraum der All West Apartmentanlage in Westpunt vom großen Hausriff. Bereits beim Abtauchen überzeugt die klare Sicht. Nach einigen Metern über den weißen Sandgrund, über dem an der Wasseroberfläche karibisch bunte Fischerboote schaukeln, lässt das dunkler werdende Wasser die Riffkante erahnen. Immer wieder hört man von Korallenbleiche, toten Riffen. Diese Information ist an diesem Riff anscheinend nicht angekommen: farbenprächtige Schwämme wachsen um die Wette, Korallen behaupten ihren Platz. Riffbarsche verteidigen vehement ihr Revier vor den Eindringlingen, während der Großteil der restlichen Fischwelt gänzlich unbeeindruckt bleibt. Hier gibt es nichts, was es nicht in einem karibischen Meer gibt.

 

Traumstrände, wohin man auch sieht: ist einer zu voll fährt man in die nächste Bucht

Wenn Baitballs Taucher fressen

Es ist Emma, die (mal wieder) den sich bewegenden Brocken zuerst entdeckt. Routiniert zeigt sie den anderen das Unterwasserzeichen: Schildkröte. Dicht gefolgt von einer zweiten! Beide nehmen Kurs auf Neptun. Mitten aus dem Riff ragt er empor. Aus Metall gefertigt sitzt der knapp drei Meter große Mann eisern auf seinem Thron. Die aus Kopf und Dreizack sprießenden Korallen verleihen ihm allerdings ein wenig das Aussehen eines lustigen Gartenmännchens. Es lohnt sich in jede Felsspalte zu schauen, jeden Riffblock zweimal zu umrunden: Makrofans finden hier ein kleines Paradies. Für Emma wird es langsam Zeit umzudrehen. Zu gern möchte sie noch an ihren Lieblingsplatz: hinauf zum kleinen Steg.

Gigantische Fischschwärme vor der Haustür machen jeden Tauchgang zum Highlight. Photocredit Tilo Kühnast

In nur fünf bis acht Meter Wassertiefe explodiert hier das Leben. Acht nahezu handzahme Schildkröten verschiedener Größen rupfen rabiat am Seegras herum, als der Himmel sich über den Tauchern verdunkelt. Ein riesiger Baitball umkreist die Gruppe binnen weniger Minuten. Abertausende Fische, deren Schuppen im Sonnenlicht silbern glitzern. Sie suchen die Nähe der Taucher, nehmen sie bereitwillig in ihrer Mitte auf, um sie dann eng zu umkreisen. Bewegen die Taucher sich weg, zieht der Fischschwarm mit. Zu sehr genießt er den Schutz der Menschen vor den umherjagenden Makrelen.
Noch ein kleiner Besuch bei dem Frogfisch, ein schnelles Vorbeihuschen an den Moorings, welche die Seepferdchen ihr zu Hause nennen. Dann heißt es für Emma wieder: ein Tauchgang am Tag genügt. Aber auch die Eltern sind damit glücklich – zu intensiv und geballt ist das Erlebte. Und zu traumhaft die Strände der Umgebung.

Leere Traumstrände laden zum baden,entspannen und tauchen ein.

 

Die Insel der unzähligen Strände

Die Klimaanlage des gemieteten Trucks läuft auf Hochtouren, während die Familie entlang der Uferstraße zu einem der unzähligen Strände fährt. An welchen genau wissen sie vorher nie. „Ein Strand ist schöner, als der andere. Ist uns der eine zu voll, fahren wir einfach ein, zwei Buchten weiter zum nächsten.“ Ob naturbelassene, einsame Bucht, ob ein Strand voller einheimischer Familien, aus deren Ghettoblastern karibische Rhythmen klingen oder touristisch gepflegter „Beachclub“ mit Liegestühlen und Bars: jeder findet seinen Traumstrand. Denn eines haben alle gemeinsam: tauchen kann man überall!

 

Curacao ist einer der wenigen Orte weltweit, an denen freies, eigenständiges Tauchen erlaubt ist. Über 80 Tauchspots sind ausgeschrieben, die meisten von ihnen sind auch für Anfänger geeignet. Auf Curacao herrscht so gut wie nie Strömung, die Orientierung ist simpel (30 Minuten Hinweg, umdrehen, 30 Minuten Rückweg) und somit auch ohne Navigationskurs machbar. Parken, tauchen, das Leben genießen. Das ist es, was die Freiheit ausmacht. Aber wieso Westpunt?
Das Örtchen Westpunt ist rund 45 Autominuten von der Hauptstadt Willemstad entfernt. Dort reihen sich touristische Läden aneinander, eine Bar befindet sich im Wettstreit mit der nächsten, wer die besseren Tagesangebote für die vorbeikommenden Kreuzfahrttagestouristen hat. In Westpunt findet man nichts dergleichen. Hinter dem Nationalpark und dem Mount Christoffel gelegen ist die Auswahl der möglichen abendlichen Aktivitäten überschaubar. Einige sehr gute Restaurants, ein, zwei Sundowner Bars. Dafür der Besuch von Leguanen am Frühstückstisch und exotischen Vögeln, die darauf warten, ein Stück vom frischen Obst zu ergattern. Hier in Westpunt ticken die Uhren langsamer. Keine Hektik, kein Stress. Ob man den BBQ Grill auf der Terrasse anwirft, gemütlich kocht oder entspannt eines der Restaurants besucht: den einzigartigen Sonnenuntergang schaut man am besten von der eigenen Terrasse aus an. Ein Glas Wein oder ein Bier, das Rauschen der Wellen. Mit etwas Glück sieht man die springenden Delfine am Horizont, während die Silhouetten der Schifferboote langsam im Rotgold der großen Kugel verschwinden. Das ist es, was das Leben ausmacht. Die Freiheit zu genießen – wann und wo man möchte.

 

  1. Wer Nightlife möchte kommt um einen Besuch von Willemstad nicht herum: zahlreiche Bars und Cafés haben bis spät in die Nacht geöffnet.

Infos:
Flug: KLM fliegt mehrmals wöchentlich via Amsterdam die Insel an. Ab dem kommenden Winterflugplan wird Condor Direktflüge ab Deutschland anbieten.
Unterbringung: Sehr gepflegt, renoviert und geräumig sind die All West Apartments in Westpunt. Sie sind aufgrund des eigenen Trockenraumes, der immer mit genügend DTGs gefüllt ist, sowie dem eigenen fabelhaften Hausriff bestens für einen Urlaub geeignet. Die Trucks können bei Buchung gleich mit gemietet werden.
http://www.allwestcuracao.com

Toptauchplätze:
Playa Grandi (Hausriff): schön bewachsenes Riff mit Schildkröten, Seepferdchen, viel Schwarmfisch, Barrakudas.
Porto Marie: gepflegter weißer Strand mit Liegen, Schirmen, Beachbar (geringe Gebühr für die Strandpflege und Liegen). Es erwartet die Taucher und wundervolles Doppelriff. Besonders am Morgen ist die Chance auf Adlerrochen sehr groß.
Vaarsenbai: Auch bekannt als Carpile (Achtung, es gibt zwei Tauchplätze die dort so genannt werden). Dieser Tauchplatz ist nur etwas für erfahrene Taucher. Zwischen 25m und 50m Tiefe verteilt sich hier ein atemberaubender Autofriedhof mit Autos aus den 40er und 50er Jahren.
Tugboat: Das kleine Tugboat hinter Willemstad gelegen bietet auch für Tauchanfänger ein erstes Wrackerlebnis: In nur 5m Tiefe ist es ein Paradies für Taucher und Schnorchler. Das Tugboat liegt direkt an einer Riffkante, welche ein fantastisches Steilriff bis in 40m Tiefe beherbergt.

Sehenswertes: Hato Caves, Straußenfarm, Aloeverafarm, BlueCuracao Fabrik, SeaAquarium, Willemstad, Kura Hulanda Museum, Mount Christoffel , Shete Boca Nationalpark

 

Dieser Artikel wurde im Original  auf der Seite von Taucher.Net veröffentlicht.

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