Alpenregion Tegernsee und Schliersee – wo der Winter noch Winter ist

Ein Ausnahmetag in Bayern. Es ist 15 Uhr und das Thermometer zeigt satte -21°C an. Der Himmel ist stahlblau, geziert von kleinen Schäfchenwolken. Die Kulisse rund um den Schliersee ist atemberaubend: schneebedeckte Berggipfel, hinter denen die untergehende Sonne sanft verschwindet und ihren Platz für den aufgehenden Mond freigibt. Bilder, wie aus einem Märchenbuch.

 

Der Wintereinbruch kommt über Nacht. Ein gewaltiges Schneegestöber wohin man auch blickt. Binnen weniger Stunden wird die  Gegend rund um den Kurort Bad Aibling von einer weißen, lautlosen Decke überzogen. Als die Sonne am nächsten Morgen über den Bergen in die Fenster der Häuser scheint erscheint alles in friedvollem Glanz.

 

Spitzingsee

Drei Tage hat es nahezu durchgeschneit. Nun ist es still. Alles wirkt gedämpft. Spontan entschließt sich die kleine Gruppe, dass es Zeit für einen Schneeausflug ins nahegelegene Umland wird. Mit -21°C ist dies einer der kältesten Tage überhaupt. Der Wind ist eisig. Dennoch sind alle fröhlich – zu atemberaubend ist der Anblick der schneebedeckten Landschaft und der kahlen Äste, die von blühenden Schneekristallen geziert sind. Unzählige pittoreske Dörfer säumen die Wege entlang der Straßen. Ein kleiner Stau macht auf ein Café aufmerksam, welches über die Landesgrenzen hinaus für seine Torten bekannt ist: das Café Winklstüberl. Solch eine Auswahl hat Simone noch nicht gesehen. Da ist es schwer, sich nur für ein Stück zu entscheiden! Man einigt sich darauf unterschiedliche Torten zu bestellen und reihum zu probieren. Eine kluge Wahl, wie es sich am Ende herausstellt. Eine Stück leckerer als das andere. Die Räumlichkeiten sind urgemütlich: altes Bauerninterieur lädt zum Verweilen ein. Die Wände sind dekoriert mit zahlreichen alten Kaffeemühlen. Aus den Butzenscheiben erblickt man ringsherum die Berge, die sich ruhig, aber standhaft dem Himmel entgegen strecken. „Dort oben liegt der Spitzing“ erklärt Markus der Gruppe. „Der was?“ „Der Spitzingsee. Der See am Ort Schliersee. Hat nur 200 Einwohner, kann man super Skifahren und noch schöner einmal um den See wandern. Lust?“ Gefragt – getan! Gefühlte 10.000 Kalorien pro Tortenstück möchten wieder verbrannt werden. Dick eingepackt beginnt der Trupp die Umrundung – teilweise über freigeschaufelte Schneewege auf dem zugefrorenen See. Hunde tollen durch die meterdicke weiße Decke, Kinder lassen sich von ihren Eltern auf Schlitten ziehen. Einige tragen Wettbewerbe im Eistockschießen aus, während andere lieber Schlittschuhlaufen. Die Natur  rund um den eingebetteten See ist wunderbar. Die untergehende Sonne lässt die Gipfel in einem Licht leuchten, als wären sie mit einer Haube aus  Gold verziert. Mit Eiszäpfchen an den Wimpern und Bärten sind alle nach einer wunderschönen zweistündiger Schneewanderung dennoch froh, über ein Auto mit einer gut funktionierenden Standheizung zu verfügen. Die Torte ist abgearbeitet. Es ist Platz für die bayrische Küche in einem traditionellen Brauhaus wie dem Maxlrainer nahe Bad Aibling. Deftige Haxen, selbstgebrautes Bier und wärmende Schnäpse – so darf der Tag heut enden.

 

 

Tegernsee

Der nächste Morgen steht dem vorherigen in nichts nach. Nach einem ausgiebigen Frühstück überlegt man gemeinsam einmal in die andere Richtung zu fahren. Der Tegernsee gilt als einer der bekanntesten Seen in Deutschland. Ein typischer Touristenort zwar, dennoch traumhaft schön. Eingebettet zwischen Berge schwimmen Eisschollen auf dem See umher. Die Sonne lässt die freie Wasseroberfläche glitzern, als würde sie aus Diamanten bestehen. Überall säumen Bänke und hölzerne Sonnenliegen den Weg. Erholung pur! Die Kulisse lässt erahnen, wie atemberaubend ein Sommer hier sein muss. Nachdem die Gruppe in einigen Geschäften gestöbert hat macht sich bei den Ersten lautes Bauchknurren bemerkbar. Dass frische Luft aber auch immer hungrig machen muss! Wer den Tegernsee besucht kommt um ein Essen im Herzöglichen Braustüberl Tegernsee nicht herum. Urige Innenräume und ein großer Biergarten laden zum Verweilen ein. Auch bei diesem kalten, aber sonnigen Wetter ist im Außenbereich kein freier Platz zu bekommen – zu sehr genießen die Gäste die wärmende Sonne auf der Haut. Nach einem schmackhaften Mittagessen überlegt man, wohin der Tag einen noch bringen kann. Zurück nach Bad Aibling? Ein wenig die Therme genießen vielleicht? Klingt verlockend. Nach einem abendlichen Ausklang vor dem Kamin der Hotelbar fallen alle erschöpft ins Bett.

 

 

Österreich sagt Hallo

 

Gerade einmal 35 Kilometer entfernt liegt das österreichische Kufstein. Eine kleine Innenstadt lädt zum flanieren und shoppen ein. Nach knapp zwei Stunden ist alles bereits ausgiebig erkundet. Durch eine traumhafte Bergkulisse geht es weiter nach Kitzbühel: Luxus und Glamour gesäumt von Skirennen. Das Klischee entspricht der vollen Wahrheit. Villen, Luxusautos, Pelzmäntel. Selten hat die Gruppe solch Preise für Skianzüge gesehen. Urlaub möchte hier niemand machen, umher spazieren schon. Der Ort ist bereits gut besucht, die Parkplätze gefüllt. In wenigen Tagen findet eines der bekanntesten Skirennen der Welt statt: das Hahnenkammrennen. Weltcup prangt in roten Lettern auf einem großen Felsen und dient als stummer Zeitzeuge. Seit 1931 wird das Rennen hier ausgetragen, seit 1967 als Weltcup. In dieser ganzen Zeit musste das Rennen sieben Mal wegen Schneemangels abgesagt werden. In diesem Jahr ist damit nicht zu rechnen. Meterhoch türmt sich allseits die weiße Masse. Die Gruppe entschließt sich hinauf zur Rennstrecke zu laufen. Die Tribünen stehen bereits in der Sonne. Ein perfekter Ort, um ambitionierte Skifahrer bei ihren Abfahrten zu beobachten. Die Gegend rund um Kitzbühel ist eine der schönsten, lässt man sich in einem Café aufklären. Mit einem Routenvorschlag geht es weiter durch das Winterwunderland. Die Bedienung hat nicht übertrieben: Eine Landschaft, wie es im Buche steht. Verschneite Bäume säumen die Wege, während lange Eiszapfen von den Dächern der Alpenhäuser wachsen. Die Sonne spielt mit den Schneekristallen, das Blau des Himmels erscheint unwirklich.

Es ist Glück, was jeder Einzelne in diesem Moment empfindet.

Glück, diese Landschaft zu sehen. Glück, Kaiserwetter zu haben. Glück, einfach das Leben in vollen Zügen genießen zu können. Denn es sind die Kleinigkeiten, die es Lebenswert machen.

 

Infos

Bad Aibling: Das gerade einmal 18.000 Einwohner beherbergende Städtchen Bad Aibling im Kreis Rosenheim ist bekannt für seinen Heilschlamm. Sowohl das Heilwasser, welches aus 2300 Meter Tiefe stammt, als auch das Moor haben gesundheitsfördernde Wirkungen. Besonders Rheumatiker profitieren hier. Neben einem Thermalbad und dem schönen Kurpark bietet Bad Aibling viele Cafés und Restaurants. Mit einer geographischen Lage zwischen München (50km) und dem österreichischem Kufstein (40km) ist es der ideale Ausgangspunkt für viele verschiedene Ausflüge in die wunderschöne Alpenregion. Ob Hotel mit Sauna und Schwimmbad oder eine Ferienwohnung – hier gibt es für jeden Geschmack das Passende.

 

 

Maxlrainer: Erstmals 1636 urkundlich erwähnt wurde um 1900 wurde die Bierproduktion der Schlossbrauerei Maxlrainer aus dem Schloss in das neu entstandene Brauhaus verlegt. Das Sortiment der 15 Bierspezialitäten reicht vom klassischem Hellen über Pilz, Schwarz- und Weißbiere bis hin zu Saisonbieren und alkoholfreien Spezialitäten. Das Essen ist hervorragend, die Lokalität ein typisch bayrisches Brauhaus. Eine Tischreservierung ist empfehlenswert! Die Adresse lautet Aiblinger Straße 1, D-83104 Tuntenhausen .

Schliersee/Spitzingsee: Alle Infos rund um das Gebiet Schliersee/Spitzingsee wie zum Beispiel Skigebiet, Sportmöglichkeiten, Wanderwege, Restaurants findet man auf der Homegage von Schliersee www.schliersee.de

 

Café Winklstüberl: Torten, Torten und noch mehr Torten. Ein Traum aus Sahne und Zucker – unwiderstehlich lecker! Das malerische Café am Fuße des Breitensteins wurde erstmals bereits um 1300 erwähnt. Neben den fantastischen Torten und Gebäcken beherbergt das Café eine Sammlung von über 700 Kaffeemühlen. Der Anblick ist gigantisch! Für Kinder gibt es Malstifte und zudem einen Spielplatz.

 

Tegernsee/Braustüberl Tegernsee: Alle Infos rund um den Tegernsee findet man zum Beispiel auf der zugehörigen Homepage www.tegernsee.de . Der Tegernsee lohnt zu jeder Jahreszeit und hält für jeden das passende Angebot bereit. Ein Essen im herzöglichen Braustüberl  Tegernsee ist ein Muss.

 

Weitere Ausflugsziele: Rosenheim, Kufstein, Kitzbühel, Chiemsee, Frauninsel, Herreninsel, Wendelstein, Wendelsteinbahn, Kampenwand, Hochries, Hocheck, Simssee, Salzburg

 

7 Antworten auf „Alpenregion Tegernsee und Schliersee – wo der Winter noch Winter ist“

  1. Hallo Sarah, da bekommt man gleich Lust auf Winter! 🙂 Wir vermissen ihn hier am Bodensee schon sehr. Und auch die Natur bräuchte mal ein paar Frosttage, um zur Ruhe zu kommen. Schöner Beitrag mit vielen Tipps! Dankeschön!

    1. Hallo Dagmar. Ja, es waren absolute Ausnahmetage! Aber Thermowäsche und Skianzug haben die Wanderung recht angenehm gestaltet – sofern das Gesicht eingepackt war 🙂

  2. -21 Grad? Ich weiss nicht ob und wann ich das in Hamburg schon mal erlebt hab…ich glaube gar nicht! Aber die Region sieht zauberhaft aus im Schnee. Das ist wirklich noch richtiger Winter!
    Lg Miriam

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