Türkei – Tauchen und Segeln in der Freiheit

Wild zerklüftete Felslandschaften, die sich in der Mitte der Bergspitzen vereinen. Verlassene Buchten, gesäumt von einer Armee aus Dattelpalmen. Das Meer von einem tiefen klaren Blau, welches man nur hier findet.  Segeln und tauchen dort, wo früher die Sarazenen ihr Unwesen trieben. Der Luxus der Einsamkeit – Urlaub für die Seele.

Bericht von Sarah Wünsche

Einfache Holzstühle an alten Holztischen, überschattet von einem leuchtend roten Sonnenschirm. Ein eiskaltes Getränk sorgt nach dem knapp zweistündigen Transfer vom Flughafen Dalaman zum Hafen von Selimiye für Erfrischung. Während man die herabperlenden Kondenstropfen auf der Getränkedose beobachtet und alles langsam zur Ruhe kommt, wird das Gepäck  verfrachtet: das Tauchsegelschiff MSY Okyanus wartet voller Ungeduld auf seine zwölf neuen Gäste. Tauchen und Segeln in der Türkei scheint auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Kombination zu sein: freut sich der Segler über Wind und Wellen, verflucht der Taucher eben genau diese. Aber hier in der südlichen Ägäis entlang der Datça Halbinsel funktioniert es. Das Geheimnis liegt in den unzähligen einsamen und ruhigen Buchten. Fegt der Wind über das Meer, ist es gleichzeitig in bestimmten Buchten windstill. Deshalb gibt es auch keinen festen Routenverlauf – man taucht dort, wo es gerade optimal ist. Und einsam. Denn das ist es, was Jürgen Janning und sein Partner Ahmet Dumaz lieben.

Von der Idee zum Gulet
Schon ewig sind die zwei Männer befreundet. Brüder nennen sie sich.  Aus ihrer Freundschaft wurde dann J-Dive , welches für Janning und Dumaz steht. Charterten sie am Anfang Gulets, um ihren Traum von Freiheit und Einsamkeit abseits der touristischen Segelrouten zu erfüllen, investierten sie 2012 in ihr eigenes Gulet. Mit 28 Meter Länge verfügt der Zweimaster über alles, was das (Taucher)Herz begehrt.

Die Okyanus ist kein Schiff für Luxusurlaub, sondern eines zum Wohlfühlen. Das beginnt schon auf dem geräumigen Achterdeck, in dessen Mitte gemeinsam alle Mahlzeiten eingenommen werden. Der Platz unter den Segeln ist ideal für ein Sonnenbad nach der morgendlichen Runde Yoga. Wer nicht in einer der sechs geräumigen Kabinen schlafen möchte, verbringt die Nacht dort unter dem Sternenhimmel.

Den ersten Abend unterscheidet diese Tauchsafari von keiner im Roten Meer, auf dem Malediven oder in Asien: man isst zusammen, lernt sich kennen und beginnt bei einem Efes den Stress des Alltags hinter sich zu lassen.

Die Jäger von Atabol
Ein ausgiebiges Frühstück, ein wenig Zeit zum relaxen, dann ertönt es: Ahmets bekanntes „Ab in die Pelle“. Das Gulet ist mittlerweile bei Atabol vor Anker  gegangen: für viele Taucher der beste Tauchplatz in der südlichen Ägäis. Nachdem das Blasengewitter sich gelegt hat, traut man seinen Augen kaum. Weit mehr als 30 Meter Sichtweite lassen bereits jetzt erahnen, was dieser Tauchplatz zu bieten hat. Die Topographie ist atemberaubend: endlose Steilhänge, gespickt mit vielen Felsspalten, in denen sich Muränen und Bärenkrebse verstecken. Sandflächen mit Seegraswiesen, die zahlreichen Fischschwärmen Abwechslung bieten.

Die Steilwand ist übersät von Mönchsfischen, um die Schwärme von Zweibindenbrassen kreisen. In einem Loch steckt ein Oktopus, der dank seiner vielen Arme mit sich selbst kuschelt. Während einige Taucher unter den Überhängen noch nach weiteren Meeresbewohnern suchen, ziehen zwei große Rochen durchs Freiwasser. Jannings Lächeln verrät: das ist nicht das Ende der Fahnenstange.

Plötzlich herrscht unter Wasser große Aufregung unter den Fischen und den Tauchern: die in Atabol heimische Barrakudaschule ist im Anmarsch. Silbrig glänzend wie aneinandergereihte Kettenglieder schlängeln sich die Räuber durch das tiefblaue Wasser. Dabei lassen sie sich eine Zeitlang in Ruhe beobachten, bevor sie wieder in den Weiten des Meeres verschwinden.

Ein paar Minuten später dann erneute Hektik: Makrelen und Doraden. Nicht zwei, nicht drei – ganze Schwärme erscheinen aus dem tiefen Blau. Allesamt weniger entspannt, jagend, hungrig. Und zu jagen gibt es hier genug. So überfischt das Mittelmeer andernorts auch ist: Hier scheint sich der gesamte restliche Fischbestand eingefunden zu haben. Aber auch dieser Tauchgang neigt sich irgendwann dem Ende zu, und zurück an Bord sieht man auf den Gesichtern der Gäste nur eines: Entspannung und Glück.

Kurz vor dem Abendessen bietet Ahmed an, die Entspannung durch ein paar Yogaübungen auf dem Sonnendeck noch weiter auszubauen. Statt Makrele gibt es nun die vom Abendrot angestrahlte Kobra, die Barrakudas weichen dem herabschauenden Hund, dicht gefolgt vom schwankenden Baum. 20 Minuten lang ziehen einige der Gäste mit, bevor die Schiffsglocke zum Dinner läutet. Ab jetzt regieren gutes Essen, Bier und dicke Socken – und der Blick auf eine Bucht, in der eine Bache mit ihren Frischlingen unter Dattelbäumen nach Futter sucht. Zeitgleich trägt der Wind das Meckern von Ziegen und den Duft von Kräutern zum Schiff. Janning lächelt: Das ist sein „Outback“ – der Luxus der Einsamkeit.

 

 

Infos:

Anreise: Von zahlreichen deutschen Flughäfen wird Dalaman direkt angeflogen. Zur Einreise benötigt man einen gültigen Personalausweis oder Reisepass.

Schiff: Die Okyanus ist ein 28 Meter langer Zweimaster. Bis zu zwölf Gäste können in sechs geräumigen Doppelkabinen untergebracht werden, die jeweils über ein eigenes Bad und Klimaanlage verfügen.

Tauchen: Diese Tauchsafari ist prinzipiell für Anfänger geeignet. Strömung gibt es so gut wie keine. Je nach Jahreszeit wird ein 5mm-7mm dicker Neoprenanzug empfohlen. Getaucht wird mit Stahlflaschen. Auf Wunsch können Tauchausbildungen durchgeführt werden. Leihausrüstung ist ebenfalls vorhanden.

Mehr Infos und Buchung

www.j-dive.de

 

Den vollständigen Bericht finden Sie auf

https://taucher.net/diveinside-tauchen_und_tauchsafari_in_der_tuerkei_-kaz7032

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